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Am Dienstag verkündete der Bundestrainer seinen vorläufigen EM-Kader. Aufstrebende Talente und altbekannte Weggefährten tauchen dort auf. Junge Spieler wie Julian Brandt oder Leroy Sané wurden für ihre Leistung belohnt. Bei anderen Spielern misst der Trainer mit zweierlei Maß.

Rheinischer Pausenclown als Auslaufmodell

Wenn Joachim Löw sagt, er wähle seine Mannschaft nicht unbedingt nach dem Leistungsprinzip aus, dann ist das zum einen nicht mehr wirklich überraschend, zum anderen sieht er das nicht als Vorwurf. Für ihn „geht es bei einem Spieler um mehr, als gut Fußball zu spielen. Neben dem sportlichen Wert zählt für mich die Persönlichkeit“, sagte Löw. Es ist eine Aussage wie auf Podolski zugeschnitten. Für viele gehört Lukas Podolski eher in die Social-Media Abteilung des DFB als in den aktuellen EM-Kader. Bei der Betrachtung des Kaders möchte man fast schon denken: „Oh, Podolski wieder als LiLaLaunebär dabei, der wieder irgendwen in den Pool schubsen darf, damit es lustige Bilder für die TV Anstalten gibt? Prima Sache.“ Spätestens seit der WM 2014 gilt der rheinische Pausenclown als Auslaufmodell. Zu viele Marco Reus, André Schürrles und weitere Linksaußen wachsen nach, zu oft schoss Podolski Selfies statt Tore. Für viele war am Dienstag der Tag gekommen, die lange Ehe zwischen DFB und Prinz Poldi zu scheiden. Zwar wird Löw aus dem 27er-Kader noch vier Spieler streichen müssen, aber der ewige Kölner wird kaum dazu gehören.

Reichlich Argumente reichen eben nicht immer

Da hat Marcel Schmelzer endlich seine Frisur in Ordnung gebracht, aber Löw ignoriert ihn weiter. Spaß beiseite: Der Dortmunder Linksverteidiger spielt die beste Saison seiner Karriere und lieferte reichlich Argumente für ein Comeback im DFB-Dress. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt man sich nicht nur im schwarz-gelben Ruhrgebiet. Außerdem wird dem Linksverteidiger eine ausgeprägte Bescheidenheit und Teamfähigkeit nachgesagt, was die Ausbootung – unter den oben genannten Faktoren – noch unverständlicher machen lässt. Vor allem im Fall Schmelzer wird deutlich, dass der Bundestrainer bei einigen Spielern mit zweierlei Maß misst. Schmelzer könnte wahrscheinlich Kopfstände zwischen zwei gelungenen Aktionen auf dem Platz machen, Löw würde über den Dortmunder hinwegsehen. Das seien „bittere Momente“ gewesen, als Löw den nichtnominierten Spielern die Botschaft per Telefon habe mitteilen müssen, sagte der Bundestrainer. Wir haben ihn allerdings auch sagen hören: „Das bedeutet nicht zwangsläufig das Ende für die Nationalmannschaft.“ Ist klar, Jogi.

Auch die Nominierung eines Sebastian Rudys ist nicht unter dem Aspekt des Leistungsprinzip nachzuvollziehen. Rudy, der mit der TSG Hoffenheim tief im Abstiegskampf steckte, noch über keinerlei internationale Erfahrung verfügt und wohlwollend betrachtet eine eher durchschnittliche Saison (Kicker-Notendurchschnitt: 3,93) spielte, wurden einem zuletzt hervorragendem Gonzalo Castro (2,95), einem Lars Stindl (3,10) oder auch einem Mitchell Weiser (3,13) vorgezogen, um hier nur einige (logischere) Alternativen zu nennen.

Löw vs. Fans

Eines wurde am Dienstag wieder deutlich: Löw’s Erwartungshaltung liegt meilenweit entfernt von der vieler Fans. Diese möchten die 23 individuell besten Fußballer im EM-Kader sehen, möglichst penibel ausgesucht nach erzielten Toren, Scorerpunkten, Notendurchschnitten und Zweikampfwerten. Löw dagegen sucht das perfekte Kollektiv. Er wählt dabei eher „Ja-Sager“ statt echte, aber auch anstrengendere Typen wie Max Kruse. Spieler, die sich notfalls auch ohne einen einzigen Einsatz auf die Bank setzen und am besten noch die Mannschaft mitreißen und motivieren – ohne einen Hauch von Kritik am Bundestrainer. Dass diese Tatsache nicht allen Fans gefällt, für viel Kopfschütteln und eine Menge Fragezeichen sorgt, muss auch der Bundestrainer verstehen. Am 10. Juli, wenn die letzten beiden Mannschaften das EM-Finale in Paris ausspielen, werden wir sehen, wie viel Kritik an Löw berechtigt war, oder eben nicht.

Sebastian ist seit Klein auf großer Fußballfan. Er ist Fan des FCB, was schonmal zu Reibereien im Tippster-Team führen kann ;). Bei der internen Tipprunde liegt er vorne mit dabei… noch! Ausgang Offen 😀
Högdsche Disziplin statt Leistungsprinzip 
4.6 ☆ aus 24 Stimmen

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