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Die NFL ist ein Paradies für Statistik-Liebhaber, für jeden Bereich des Spiels gibt es viele verschiedene Statistiken. Wenn du die NFL bereits ein wenig verfolgt hast, sollte dir der Begriff des Quarterback-Ratings bzw. Passer-Ratings schon einmal über den Weg gelaufen sein. In folgendem Artikel wollen wir dir das Rating einmal näher bringen und erklären, wie es sich Zusammensetzt und was es tatsächlich über die Leistung eines Quarterbacks aussagt.

Was ist das Quarterback Rating?

Das Quarterback Rating drückt die Fähigkeiten eines Quarterbacks in seinem Passspiel aus. Es ist ein statistischer Wert, wodurch die verschiedenen Quarterbacks leichter miteinander vergleichen werden können. Er wird seit 1973 in der NFL berechnet und wurde in der aktuellen Formel von Don Smith erdacht. Der höchste Wert, der erreicht werden kann, ist 158,3. Wenn ein Quarterback einen Wert von 100 erreicht, wird dies als gutes Ergebnis angesehen.

Aus welchen Statistiken setzt sich das Quarterback Rating zusammen?

Um das Rating zu berechnen werden verschiedene Statistiken benötigt. Das sind zum einen die Passversuche, also die Anzahl der geworfenen Pässe, die angekommenen Pässe, die Yards, also die Anzahl der Yards die durch angekommene Pässe zurückgeht wurden, die Anzahl der Touchdowns, also die Touchdowns, welche durch einen Pass erzielt wurden sowie die Interceptions, welche vom Quarterback geworfen wurden. Das Rating kann entweder für ein einzelnes Spiel und Quarter oder über mehrere NFL-Spiele bzw. Saisons hinweg berechnet werden.

Wie genau wird das Quarterback Rating berechnet?

Taschenrechner raus, Klassenarbeit!… Nein keine Angst du musst jetzt nicht selbst rechnen, sondern wir zeigen dir, wie es geht. Allerdings kannst du natürlich gerne selbst einmal die verschiedenen Formeln anwenden 😉

Die Formeln sehen zwar auf den ersten Blick aus wie höhere Mathematik, doch wenn man sie Schritt für Schritt aufbröselt, ist es gar nicht so schwer. Im Prinzip berechnet man vier Einzelwerte, die am Ende über eine Formel miteinander verrechnet werden und das Rating ergeben. Jeder dieser Einzelwerte liegt zwischen 0 und höchstens 2,375.

Wir gehen das nun Schritt für Schritt am Beispiel von Carson Palmer (QB bei Arizona) durch, der in der Regular Season 2015 eines der höchsten Quarterback-Ratings der Saison mit insgesamt 104,6 Punkten erzielte.

QB-Rating-Faktor #1: Vollständige Pässe

Zunächst wird der Prozentsatz der vollständigen Pässe berechnet. Also wie viele Passversuche hat ein Quarterback in einem Spiel insgesamt geworfen, und wie viele davon kamen tatsächlich bei einem Mitspieler an. Damit die Zahl dann ins Rating einfließen kann, wird der Prozentsatz mit 100 multipliziert (um eine „ganze“ Zahl zu bekommen), dann 30 vom Ergebnis abgezogen und am Ende durch 20 geteilt.

qb-rating-formel-faktor1

Beispiel: Palmer hat in der 2015er Saison 342 Pässe an seine Receiver gebracht und dafür 537 Versuche benötigt. D.h. er hat eine Pass-Completion-Rate von 63,7%. Folgende Rechnung für den Einzelwert der Passversuche:

(0,637 • 100) – 30 = 33,7

33,7 / 20 = 1,685

QB-Rating-Faktor #2: Gewonnene Yards

Die zweite Kennzahl für das Rating ist der erzielte Raumgewinn in Yards pro Passversuch. Von dieser Zahl werden dann 3 abgezogen und sie wird mit ¼ multipliziert, damit sie ins Rating einfliessen kann.

qb-rating-formel-faktor2

Wir wissen, dass Carson Palmer 537 Pass-Versuche in der Saison 2015 hatte. Insgesamt hat er so 4.671 Yards an Raumgewinn erzielen können. Wir rechnen also:

4.671 Yards / 537 Versuche  = 8,7 Yards pro Versuch.

8,7 – 3 = 5,7

5,7 * ¼ = 1,425

QB-Rating-Faktor #3: Touchdowns

3. Was wäre ein Football-Spiel ohne Touchdowns? Langweilig. Also wird der Quarterback auch an den erzielten Touchdowns pro Passversuch gemessen. Ein Quarterback muss die Touchdowns aber natürlich nicht selbst erzielen, sondern es zählen die Touchdwons seiner Pass-Empfänger. Das Verhältnis aus Touchdowns zu Passversuchen wird dann mit 20 multipliziert und fliest so in das Rating mit ein.

qb-rating-formel-faktor3

Palmer hat in der Regular Season 2015 insgesamt 35 erfolgreiche Touchdown-Pässe geworfen. Die Rechnung für diese Kennzahl:

35 Touchdowns / 537 Versuche = 0,065

0,065 * 20 = 1,304

QB-Rating-Faktor #4: Interceptions

4. Der letzte Wert, der für die „Qualität“ eines Quarterbacks wichtig ist, sind die Interceptions, beziehungsweise genauer: Die geworfenen Interceptions pro Passversuch. Hierbei wird als Ausgangswert 2,375 genommen, von dem wird das Verhältnis aus Interceptions und Passversuchen mal 25 abgezogen.

Konkret also folgende Rechnung für Palmers Statistik, der 11 Interceptions in der Regular Season 2015 bei 537 Versuchen geworfen hat:

11 Interceptions / 537 Versuche = 0,020 Interceptions pro Versuch

0,020 * 25 = 0,512

2,375 – 0,512 = 1,863

Quarterback Rating Formel: Der letzte Schritt

Nun geht es an die Verrechnung der 4 Einzelwerte: Die soeben berechneten Einzelwerte werden nun addiert und durch 6 geteilt. Das Ergebnis daraus wird mit 100 multipliziert und schon hat man das Quarterback-Rating berechnet.

qb-rating-formel-gesamt

In unserem Fall also:

1,685 + 1,425 + 1,304 + 1,863 = 6,277

6,277 / 6 = 1,046

1,046 * 100 = 104,6

Und siehe da: Im Vergleich zum „offiziellen“ NFL-Quarterback-Rating (oft auch „Passer Rating“) haben wir keine Abweichung und das Passer Rating also korrekt berechnet. Für Carson Palmer berechnet die NFL eine Quarterback Rating von 104,6 für die komplette 2015er Regular Season.

Abkürzung: QB Rating Rechner

Damit du die Schritte nicht alle selbst ausführen musst, haben wir dir hier einen kleinen Rechner programmiert, mit dem du das Quarterback-Rating ganz einfach selbst berechnen kannst. Gib‘ einfach die Werte deines Lieblings-Quarterbacks ein und wir berechnen das Passer Rating vollautomatisiert!

Zum Quarterback Rating Calculator und QB-Rating Rekorden

Kritik am Passer-Rating: Verbesserungspotenzial

Gerade da diese Formel bereits etwas älter ist (1973), gibt es einige Kritik daran: Viele Aspekte des modernen Quarterback-Spiels sowie andere QB-Statistiken fehlen im Rating!

Spielweise der nächsten Quarterback-Generation nicht berücksichtigt

Bereits seit einigen Jahren gibt es einen Übergang von den klassischen Quarterbacks wie Tom Brady zu den Modernen wie Russell Wilson oder Cam Newton, die neben dem klassischen Passspiel auch selbst mit dem Ball laufen und somit neue Taktiken ermöglicht haben. Diese erlaufenen Yards eines Quarterbacks fließen zum Beispiel überhaupt nicht in das Rating mit ein.

Keine Fumbles und Sacks im Rating!

Dazu fehlen auch essenzielle Statistiken wie Sacks oder Fumbles, welche ebenfalls einen Ausdruck über die Leistung eines Quarterbacks geben. Vor allem das fehlen von Sacks verfälscht die Statistik ein wenig: Anstatt einen unvollständigen Pass zu werfen und somit die Prozentzahl der angekommenen Pässe zu verschlechtern, kann sich ein Quarterback sacken lassen, was keine Auswirkung auf das Rating hätte – sehr wohl aber auf das Spiel.

Keine bessere Alternative zur Berechnung des QB-Ratings

Man sieht also, dass dieses Rating einige Schwächen hat und noch nicht an den modernen Football angepasst wurde. Verschiedene Webseiten haben sich bereits daran versucht neue Formeln zur Berechnung des Ratings zu erstellen, jedoch war keine davon wirklich  zufriedenstellend. Am Ende ist das Quarterback Rating eben nur eine Zahl, welche viele unterschiedliche Dimensionen des Pass-Spiels auf eine Zahl herunter bricht – und Zahlen spiegeln in den seltensten Fällen die Realität wider.

Philipp ist Mitgründer bei Tippster und verantwortet den Design- und UX-Bereich. Bei der WM 2002 hat er seinen ersten Sieg bei einem Tippspiel (an seiner Schule) verbuchen können und stellte als damaliger Zweitklässler sein Fußballwissen unter Beweis – heute ist er aber eher #ranNFLsüchtig und drückt den Patriots die Daumen.

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